Untersuchungen zu Folgen des Brachenrückgangs in Brandenburg


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Viele Landwirte schaffen sich durch den Anbau von Energiepflanzen wie Mais ein zweites Standbein. Da sie seit 2008 nicht mehr gesetzlich verpflichtet sind zehn Prozent ihrer Fläche stillzulegen, nutzen sie dazu nun unter anderem diese Brachen. Die Folge: Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes halbierte sich der Anteil der Brachen innerhalb nur eines Jahres. Brachen erfüllen jedoch eine wichtige Funktion in der Kulturlandschaft. Wildkräuter siedeln sich an, Tiere nutzen sie als Lebensräume, unter anderem dienen sie vielen Vogelarten als Brutplatz. Wissenschaftler des Julius-Kühn-Instituts (JKI) – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen – haben den Einfluss des drastischen Brachenrückgangs auf die Artenvielfalt untersucht und kommen zu dem Schluss, dass es sinnvoll ist, zumindest Teile der Brachflächen zu erhalten, um keinen Artenrückgang zu riskieren.


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„Vogelarten wie Braunkelchen, Feldlerche und Grauammern, die am Ende der Nahrungskette stehen, gelten als Indikatoren für die biologische Qualität einer Landschaft“, sagt Dr. Jörg Hoffmann. Der Wissenschaftler vom JKI für Pflanzenbau und Bodenkunde hat deshalb für Brandenburg ermittelt, welche und wie viele dieser Vögel aus insgesamt 14 Indikatorarten 2008 noch zu finden waren. Neben den schwindenden Brachen lag ein zweiter Augenmerk auf Maisflächen, die seit dem Vorjahr deutschlandweit um 6,5 Prozent zugenommen haben. Dabei konnte der Biologe auf Vogelbestandsdaten aufbauen, die er mit Kollegen auf 65 je einen Quadratkilometer großen Monitoringflächen in Brandenburg 2005/2006 erhoben hatte.


Hoffmanns Fazit: „Der Rückgang selbstbegrünter Brachen führt zum Verlust der lokalen Artenvielfalt. Wir haben festgestellt, dass sich in einer zu ,aufgeräumten’ Landschaft weniger Exemplare der Indikatorvogelarten ansiedeln.“ Zudem stellte sich heraus, dass neu entstehende Maisflächen weniger attraktiv für die Vögel sind. Sie sind zwar zeitweilig bedeutsam für Nahrungsgäste, vermögen jedoch den Verlust der Artenvielfalt nicht zu kompensieren.


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„Unsere Empfehlung ist, zumindest Teilflächen der Brachen zur Erhaltung der Artenvielfalt beizubehalten“, sagt Hoffmann. „Besonders in den Grenzzonen zu Kleingewässern sowie an Waldrändern und Hecken bietet es sich an, breite Saumstrukturen von 10 bis 20 Metern zu schaffen.“ Diese sind nach seinen Studien gut als Ausgleich für fehlende Brachen geeignet und verbessern die Lebensraumbedingungen in der Agrarlandschaft. „Auch trockene Kuppen in großen Ackerschlägen eignen sich, um kleinen Bracheflächen zu etablieren“, sagt Hoffmann. Da es sich in vielen Regionen bei Brachen häufig um Land mit minderer Bodenqualität handelt, sollte es den Landwirten nicht schwer fallen, kleine Flächenanteile in ein „Brachemanagement“ aufzunehmen, so die Hoffnung des Wissenschaftlers – zumal wenn dafür finanzielle Anreize im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen geschaffen würden. Nach Ansicht des NABU sollten generell zehn Prozent der Flächen eines jeden landwirtschaftlichen Betriebes als ökologische Vorrangflächen ausgewiesen werden.

 

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