Pilze zu Sammeln ist ein Vergnügen, dem bereits unsere Altvorderen nachgegangen sind. Ob sie damals schon gewusst haben, dass das gesamte Leben auf der Erde von ihrer unermüdlichen Arbeit abhängt? Denn das, was wir als Pilz sehen, ist nur der Fruchtkörper eines wesentlich größeren Organismus im Verborgenen – so wie der Apfelbaum im Herbst Äpfel bildet entspricht der Baum dem im Boden nahezu unsichtbaren Pilzwesen. Eines unserer wertvollsten Schätze der Erde ist unser Boden. In einer Handvoll gesunden Boden leben mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde – Pilze sind ein wesentlicher Teil von ihnen.

               

Eigenes Reich im Verborgenen

Diese merkwürdigen Fadenwesen sind weder Tier noch Pflanze und bilden ein eigenes Reich, das den gesamten belebten Boden in kaum vorstellbarer Menge durchzieht. Unter einem Fußabdruck von uns Menschen befinden sich in einem intakten Boden (von der Sohle bis zum mineralischen Untergrund) Hunderte von Kilometern der feinen Pilzfäden. Sie sind wie wir Menschen auf den von den Pflanzen produzierten Sauerstoff und Zucker (Glucose) angewiesen. Um an den Zucker zu gelangen, verfolgen Pilze vereinfacht ausgedrückt zwei Strategien. Beide sind mit unserem ökologischen Kreislauf unabdingbar verbunden.

                  

Müllabfuhr des Waldes

Die erste Strategie um an den von den Pflanzen aufgebauten Zucker zu kommen, ist ein Leben als sog. Zersetzer. Diese auch als Saprobionten bezeichneten Pilzarten zersetzen absterbende organische Substanzen wie Blätter, Nadeln, Zweige und Stämme der Bäume. Indem sie sich von ihnen ernähren, verwandeln sie diese wieder in Humus und halten damit den ökologischen Kreislauf aufrecht.

                   

Tauschgeschäft im Wald

Eine weitere Strategie zum Überleben ist der Handel. Diese als Mykorrhiza bezeichnete Partnerschaft basiert auf dem Tauschgeschäft: Zucker gegen im Wasser gelöste Mineralstoffe und Informationen. 95 % aller Pflanzen leben so in Partnerschaft mit Pilzen – zum Beispiel auch alle unsere als Speisepilze beliebten Röhrlinge wie Marone und Steinpilz.

Heute weiß man, dass es Pilze bereits gibt, seitdem die Pflanzen ihr Leben aus dem Wasser an Land begonnen haben. Ihr auf Kooperation ausgerichtetes Leben hat die gemeinsame Entwicklung beider Reiche erst möglich gemacht.

                

Pilze sind vielfältig

Ihre sichtbaren Fruchtkörper haben eine unglaubliche Fülle an Farben und Formen – auch ihre Möglichkeiten sie einzusetzen sind ebenso vielfältig wie bei Pflanzen. Man kann sie nicht nur in Delikatessen verwandeln, sondern auch mit ihnen Färben, Schreiben, Funken auffangen und vieles mehr. Nicht zuletzt spielen sie auch für unsere Gesundheit eine wichtige Rolle.

Auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e.V. (link zu www.dgfm-ev.de) finden Sie weitere Informationen über dieses faszinierende Reich. Dort finden Sie auch Ausbildungen zum PilzCoach (www.pilzcoach.de), zum Feldmykologen (https://www.dgfm-ev.de/qualifikationen/feldmykologe) oder Pilzsachverständigen (https://www.dgfm-ev.de/qualifikationen/pilzsachverstaendiger/profil). Auch außerhalb des Neustädter Raumes finden Sie dort deutschlandweit Karten mit PilzCoach (https://www.dgfm-ev.de/service/pilzcoaches) oder Pilzsachverständigen (https://www.dgfm-ev.de/service/pilzsachverstaendige).

Dort bekommen Sie auch viele kreative Ideen, wie Pilze in Kreativwerkstatt, Kindergarten und Schule eingesetzt werden können. (https://www.dgfm-ev.de/jugend-und-nachwuchs/pdf-bereiche/kreativwerkstatt-dl)

Am Mittwoch, den 7. Oktober 2020 entführen Sie Rita und Frank Lüder um 19.30 Uhr bei einem Vortrag in dieses spannende Reich der Pilze.